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Matthias Rüsch

Trilogie : «Gottfried Keller und Friedrich Salomon Vögelin: liberale Religiosität im 19. Jahrhundert»

Erklärung gegen Vögelin (Foto: Matthias Rüsch)
Mo. 12.02.2024, 19.00 bis 20.30 Uhr
Kirchgemeindehaus Kreuz, Zentralstrasse 40, 8610 Uster
«Gottfried Keller und Friedrich Salomon Vögelin: liberale Religiosität im 19. Jahrhundert»
Vortrags- und Gesprächsabend im Rahmen einer historisch-frömmigkeitsgeschichtlichen Trilogie.

2024 ist für die Reformierte Kirche resp. für die Stadt Uster ein Jubiläumsjahr: der Neubau der heutigen Hallenkirche jährt sich zum 200. Mal. Die Kirche am Burghügel gilt als Wahrzeichen von Uster, ist nach wie vor der grösste Saal in Uster und hat Schweiz weit einen gewissen Bekanntheitsgrad durch den Ustertag.

Was war das religiöse Umfeld in Uster, in das der Neubau der Kirche konzipiert wurde?

In Uster – damals immer auch in Verbindung zur Kirche – war im 19. Jahrhundert eine bedeutende Bevölkerungsgruppe fortschrittlich gestimmt. Natürlich war auch das konservative Element vorhanden, gerade unter der Landbevölkerung. Im Ustertag manifestiert sich jedoch eine freiheitliche Aufbruchstimmung. Das liberale Gedankengut war verbreitet. Fabrikanten nahmen in diesem neuen Klima auch die unternehmerische Freiheit wahr.

Die radikal-liberale Theologie des Ustermer Pfarrers Friedrich Salomon Vögelin passt in diese Zeit. Vögelin war klar einem modernen Dieseitsglauben verpflichtet und nicht dem veralteten Jenseitsglauben. Auch wollte er aufrichtig sein, reinen Wein einschenken, das predigen, was er verantworten konnte. Das löste nun jedoch nicht nur Freude aus, sondern führte mit grossem Eklat sogar zur Abtrennung einer konservativen Minoritätsgemeinde.
Nicht dass der Staatsschreiber und Schriftsteller Gottfried Keller auch in dieser radikal-liberalen Religiosität resp. Weltanschauung beheimatet gewesen wäre. Doch auch in Kellers Werk, im "Der Grüne Heinrich" etwa, zeigt sich die Auseinandersetzung mit der herkömmlichen Religion. Im "Das verlorene Lachen" erscheint die überkommene Kirchlichkeit wohl als vergangen, doch auch der neue, sich in die Ästhetik flüchtende Ansatz des modernen Pfarrers überzeugt wenig.

Sowie Keller als auch der etwas jüngere Vögelin sind in Zürich aufgewachsen und gewähren, jeder auf seine Art, einen Einblick in die religiöse Weltanschauung des 19. Jahrhunderts. Diese ist geprägt von den grossen politischen Erschütterungen der Zeit und einer starken Wende zur Diesseitigkeit. Politisch dürften sich Keller und Vögelin mindestens eine Zeit lang nahegestanden haben.

Ein literarisch-theologischer Abend zum Werk Gottfried Kellers einerseits und den Schriften des umstrittenen Ustermer Pfarrers Friedrich Salomon Vögelin anderseits.

Christoph Meister, Dr. phil, Villa Grunholzer, Uster
Matthias Rüsch, Pfr. Dr. theol., Uster

» Veranstaltung vom 29. Januar 2024


Bildnachweis
Offene Erklärung. Archiv Kirchgemeinde Uster
Kontakt: Pfr. Matthias Rüsch