Verantwortlich für diese Seite
Matthias Rüsch

Trilogie : «Ein religiös eigenständiges Bauernhaus vor 200 Jahren»

Bibel-Lesender-Bauer (Blocher) (Foto: Matthias Rüsch)
Mo. 29.01.2024, 19.00 bis 20.30 Uhr
Kirchgemeindehaus Kreuz, Zentralstrasse 40, 8610 Uster
«Ein religiös eigenständiges Bauernhaus vor 200 Jahren»
Vortrags- und Gesprächsabend im Rahmen einer historisch-frömmigkeitsgeschichtlichen Trilogie.

2024 ist für die Reformierte Kirche resp. für die Stadt Uster ein Jubiläumsjahr: der Neubau der heutigen Hallenkirche jährt sich zum 200. Mal. Die Kirche am Burghügel gilt als Wahrzeichen von Uster, ist nach wie vor der grösste Saal in Uster und hat Schweiz weit einen gewissen Bekanntheitsgrad durch den Ustertag.

Was war das religiöse Umfeld in Uster, in das der Neubau der Kirche konzipiert wurde?

Eine 30 Titel umfassende Hausbibliothek religiöser Erbauungsliteratur aus einem Bauernhaus in Niederuster gibt einen Hinweis darauf, dass vor 200 Jahren ein traditioneller Bauernhof im Züribiet religiös eigenständig sein konnte. Sie gibt uns einen Einblick in die herkömmliche Frömmigkeit einer damaligen Bauernfamilie.

Die Erbauungsliteratur (Bibel, Andachts-, Bet- und Gesangbücher) aus dem Niederustermer Bauernhaus Wepf-Grimm ist über die Jahrhunderte aus mehreren Höfen der Region zusammengekommen (u.a. Bünzli – Niederuster, Denzler – Nänikon, Gujer – Wermatswil). Die Tatsache, dass mindestens zehn Andachtsbücher aus dem 18. Jahrhundert überlebt haben, weist wohl darauf hin, dass sie auch im 19. Jahrhundert noch in Gebrauch waren. Ebenso wurde die Handvoll Bücher aus dem 16. und 17. Jahrhundert über hunderte von Jahren nicht nur aufbewahrt, sondern gelesen, meditiert und diskutiert.
Ein Buch aus dem Jahr 1593 zur Lebenskunst des Sterbens mag darum wohl nicht nur im Pestjahr 1668 (Ustertod) seelische Erleichterung geboten haben. Die grosse Haus- und Familienbibel von 1624 ist versehen mit den Einträgen zur Taufe von Kindern aus Niederuster (aber nicht nur). Einige der Andachtsbücher sind vom Lesen und den Spuren der Zeit völlig und teils bis zur Unkenntlichkeit zerfleddert.

Der Abend geht der Frömmigkeit und Weltanschauung der traditionellen, protestantischen Zürcher Landbevölkerung im frühen 19. Jahrhundert und ihren frömmigkeitsgeschichtlichen Wurzeln nach.

Matthias Rüsch, Pfr. Dr. theol.

Weiteres Datum:
» 12. Februar 2024: Gottfried Keller und Salomon Vögelin: liberale Religiosität im 19. Jahrhundert


Bildnachweis
Albert Anker (1831-1910), Lesender alter Mann (Der Bibelleser)
Öl auf Leinwand mit KR und Querleiste, 40.5 x 48.5 cm
Sammlung Christoph Blocher
Kontakt: Pfr. Matthias Rüsch