2026
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Zum 7. Dezember:
Jemand hat erzählt er habe auf dem Zürcher Hauptbahnhof einen Blinden angetroffen. „Ich wollte ihm das Gewühl ersparen auf dem Weg zum Schalter, zur Auskunft, zur Fahrplantafel und zur Post. Darum sagte ich zu ihm: Bitte, warten Sie hier! Ich liess ihn an einer etwas geschützten Ecke stehen und machte für ihn diese paar Gänge. Als ich zurückkehrte, sah ich ihn schon von weitem, während Leute an ihm vorbeihetzten, ein Kind ihn und seinen weissen Stock anstarrte, ein Gepäckkarren einen Bogen um ihn fuhr und ein Zeitungsverkäufer nach einem vergeblichen Angebot fast scheu wieder von ihm wegging. Er stand ganz still, der Blinde, und auch ich musste ein paar Augenblicke stehenbleiben. Ich musste sein Gesicht ansehen. Die Schritte um ihn her und die unbekannten Stimmen und all die Geräusche des lebhaften Verkehrs schienen keine Bedeutung für ihn zu haben. Er wartete. Es war ein ganz geduldiges, vertrauendes und gesammeltes Warten. Es war kein Zweifel auf dem Gesicht, dass ich vielleicht nicht mehr wiederkommen könnte. Es war ein wunderbarer Schein der Vorfreude darin. Ich kam nur langsam los vom Anschauen dieses eindrucksvoll wartenden Gesichtes mit den geschlossenen Lidern; dann wusste ich auf einmal: So müsste eigentlich das Adventsgesicht eines Christen aussehen!"
Hat Maria so ein Adventsgesicht gehabt, als der Engel Gabriel zu ihr kam? Finde ich heute Zeit, einen Blick in den Spiegel zu werfen und zu fragen, ob ich ein Adventsgesicht habe?
Ein Gedicht der deutschen Theologin und Schriftstellerin Tina Willms (* 1963) lädt zum Meditieren ein:
Advent
In der Stille
lausche ich Gott
ein Geheimnis ab
versetzt Flügelrauschen
den Tag
ins Schwingen
In der Stille
atme ich
seine Nähe
zieht Stallgeruch
von weit her
durchs Haus
In der Stille
fällt mein Blick
nach oben
legt sich
Lichtglanz
unter die Haut

Ich wünsche Ihnen einen guten Tag!
Ernst Kolb
Jemand hat erzählt er habe auf dem Zürcher Hauptbahnhof einen Blinden angetroffen. „Ich wollte ihm das Gewühl ersparen auf dem Weg zum Schalter, zur Auskunft, zur Fahrplantafel und zur Post. Darum sagte ich zu ihm: Bitte, warten Sie hier! Ich liess ihn an einer etwas geschützten Ecke stehen und machte für ihn diese paar Gänge. Als ich zurückkehrte, sah ich ihn schon von weitem, während Leute an ihm vorbeihetzten, ein Kind ihn und seinen weissen Stock anstarrte, ein Gepäckkarren einen Bogen um ihn fuhr und ein Zeitungsverkäufer nach einem vergeblichen Angebot fast scheu wieder von ihm wegging. Er stand ganz still, der Blinde, und auch ich musste ein paar Augenblicke stehenbleiben. Ich musste sein Gesicht ansehen. Die Schritte um ihn her und die unbekannten Stimmen und all die Geräusche des lebhaften Verkehrs schienen keine Bedeutung für ihn zu haben. Er wartete. Es war ein ganz geduldiges, vertrauendes und gesammeltes Warten. Es war kein Zweifel auf dem Gesicht, dass ich vielleicht nicht mehr wiederkommen könnte. Es war ein wunderbarer Schein der Vorfreude darin. Ich kam nur langsam los vom Anschauen dieses eindrucksvoll wartenden Gesichtes mit den geschlossenen Lidern; dann wusste ich auf einmal: So müsste eigentlich das Adventsgesicht eines Christen aussehen!"
Hat Maria so ein Adventsgesicht gehabt, als der Engel Gabriel zu ihr kam? Finde ich heute Zeit, einen Blick in den Spiegel zu werfen und zu fragen, ob ich ein Adventsgesicht habe?
Ein Gedicht der deutschen Theologin und Schriftstellerin Tina Willms (* 1963) lädt zum Meditieren ein:
Advent
In der Stille
lausche ich Gott
ein Geheimnis ab
versetzt Flügelrauschen
den Tag
ins Schwingen
In der Stille
atme ich
seine Nähe
zieht Stallgeruch
von weit her
durchs Haus
In der Stille
fällt mein Blick
nach oben
legt sich
Lichtglanz
unter die Haut

Ich wünsche Ihnen einen guten Tag!
Ernst Kolb
Kontakt: Pfr. Ernst Kolb
