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Matthias Rüsch

Elsbetha Bünzli: heimgeholt

Elsbetha Bünzli (1656 / 2026): heimgeholt
Ein Projekt zur Aufarbeitung der Hexenverfolgung in der frühen Neuzeit, in Zusammenarbeit zwischen der Reformierten Kirchgemeinde und der Stadt Uster.
Veranstaltungsreihe Elsbetha Bünzli 2026 Foto (002) (Foto: Karin Barz)

Hexenverfolgung in Uster. Eine Spurensuche.

Während eines gewaltigen Sturms, der 1655 den Kanton Zürich heimsuchte, stürzte in Uster der Kirchturm ein. Er fiel auf das Kirchdach und den Chor, die einstürzten, alle Fenster zersplitterten. Ein Jahr später, also 1656, ist Dank der Vertreter der Zürcher Obrigkeit und guter Handwerker vor Ort alles wieder repariert und wie neu. Das wird auch in einem Dokument, das in die alte Turmkugel gelegt wurde, festgehalten.
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Eine Woche nach der Feier der instand gestellten Kirche wird in Zürich Elsbetha Bünzli aus Nossikon durch das Schwert hingerichtet und auf einer Kiesbank in der Sihl verbrannt. Sie war nach dem schweren Unwetter und aufgrund ihres Lebensstils ins Visier der Bevölkerung geraten und der Hexerei verdächtig, in Zürich angeklagt und aufs Übelste gefoltert worden. Niemand mehr hat sich für die Frau aus prekären Verhältnissen und am Rande der Gesellschaft eingesetzt. In einer Welt voll magischen Denkens geriet Elsbetha Bünzli vielmehr in die Mühlen einer vorverurteilenden Justiz, wurde verraten und vergessen.
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Wir können das vom Kollektiv begangene Unrecht, schlimmste Gewalttat und zuletzt ihren Hinrichtungstod nicht ungeschehen machen. Wir können uns aber an ihre Geschichte erinnern und unserer Mitbürgerin von damals einen Platz in der menschlichen Erinnerungsgesellschaft geben. Elsbetha Bünzli: heimgeholt bekommt so eine doppelte Bedeutung: Himmelschreiendes Unrecht hatte sie damals heimgeholt, ja heimgesucht. Heute wollen wir sie im Rahmen einer Veranstaltungsreihe in die Ustermer Gedenkkultur hineinnehmen, nach Uster zurückholen und ihr auf dem alten Friedhof hinter der Kirche einen Gedenkort geben. Für diesen Ort des Gedenkens und der stillen Reflexion erschafft die Künstlerin Sonja Feldmeier ein skulpturales Werk, das zum Verweilen und Nachdenken einlädt. Auch zum Nachdenken wie weit und in welcher Form heute Mechanismen der Ausgrenzung greifen, wo sie spielen und wie die leide Suche nach dem Sündenbock durchbrochen werden kann.

Die Veranstaltungsreihe

In Zusammenarbeit zwischen der Reformierten Kirchgemeinde und der Stadt Uster ist für das erste Quartal 2026 die vielfältige Veranstaltungsreihe Elsbetha Bünzli (1656 / 2026): heimgeholt entstanden.
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Vortrag und Gespräch, mit Dr. Paul Brändli.
Wanderausstellung
Podiumsdiskussion, mit Dr. Otto Sigg, Pfr. Matthias Rüsch und Dr. Werner Surbeck.
nänikergottesdienst am samstagabend, mit Pfrin. Pascale Rondez und Pfr. Matthias Rüsch. Im Klairs Nänikon.
Szenische Lesung der Gerichtsprotokolle, mit Eveline Ratering und Ingo Ospelt.
Lesung aus dem Roman von und mit Hans Schnorf.
Vernissage des Gedenkortes im alten Friedhof mit einem Kunstprojekt von Sonja Feldmeier und öffentlicher Erinnerungsakt mit Regierungsrätin Jacqueline Fehr, Stadtpräsidentin Barbara Thalmann und Kirchenratspräsidentin Esther Straub.

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