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Karin Barz Dieterle

Interview zur Doppel-Vernissage

An der Doppelvernissage, 2. September 2025, vor dem Stadtfest, rücken die Glocken mit leisen Tönen ins Zentrum. Peter Conradin Zumthor dämpft das Geläut der Kirchenglocken mit seinem Projekt «con sordino». Gleichzeitig lädt die Kunst-Installation von Peter Schneebli Menschen zu Begegnungen ein.

In einem Interview erzählen Pfrn. Pascale Rondez und Kantor Peter Freitag, wie das Projekt entstanden ist.
Kunst-Installation Peter Schneebeli (Foto: Pascale Rondez)
1. Wie ist die Idee zur Doppelvernissage „Geläute/Geleise“ entstanden? Gab es einen konkreten Auslöser oder eine Vision?

Peter Freitag, Kirchenmusiker (PF): Unser Stadtfest-Projekt «Umleitung» will die Menschen zur Kirche «umleiten». Mit verschiedenen Aktionen und Auftritten von Ustermer Gruppen auf der «Kirchen-Bühne» locken wir die Leute über unsere grosse Treppe zur Kirche. Die Kirche gehört zum Stadtbild, sowohl mit ihrer prägnanten Silhouette wie auch akustisch mit dem Glockengeläut. Die beiden Kunstprojekte sollen zum Hören und Sehen anregen, in Vorbereitung aufs Stadtfest und auch während des lauten Festes und der «Umleitung» am Samstag.

Pascale Rondez, Pfarrerin (PR): Die Vernissage der Kunst-Installation auf dem alten Friedhof war auf Sommer/Herbst 2025 geplant, als die schöne Idee der Verhüllung der neuen Klöppel aufkam. Da dachten wir – das passt doch gut zusammen. Die einen kommen in den Ruhestand und sind nun beieinander im Gras und Kies, die andern läuten nun, aber für einmal etwas leiser zum Auftakt des Stadtfestes.

2. Wer genau steht hinter der Organisation des Anlasses? Wer bildet das Vorbereitungsteam?

PF: Die reformierte Kirche steht nicht nur an Gottesdiensten für alle Menschen offen, sondern auch zu vielen verschiedenen Anlässen und Angeboten während des ganzen Jahres, auch künstlerischer und musikalischer Art. Die Organisation von «Umleitung» und «Geläute, Geleise» liegt bei den kirchlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

PR: (Lead Vernissage bei PF)

3. Wie kam der Kontakt zu den beiden Künstlern – Peter Conradin Zumthor und Peter Schneebeli – zustande? Was hat Sie an ihrer Arbeit besonders angesprochen?

PF: Die Spezialisten in Uster für «Umleitungen» sind die Organisatoren des «Hinterhalt» und so bin ich auf Frank von Niederhäusern zugegangen. Er hat begeistert von seiner Idee erzählt, dass er schon seit langem «con sordino» von Peter Conradin Zumthor in Uster realisieren möchte.

PR: Ich habe Peter Schneebeli vor Jahren zufällig im Zug kennen gelernt und dann seine Arbeiten gesehen, die sehr breit gefächert sind. Als der Gedanke einer künstlerischen Inszenierung der alten Klöppel aufkam, habe ich an ihn gedacht, weil mir seine Skulpturen so in Erinnerung geblieben sind. Mich faszinieren der poetische und oftmals humorvoll verspielte Zugang seiner Arbeiten.

4. Was ist das Ziel der Veranstaltung? Was möchten Sie den Besucher:innen mitgeben?

PF: «con sordino», mit Dämpfer heisst das Projekt, dass das Glockengläut verfremdet: mit Gummi werden die Glockenklöppel eingepackt und so tönen die Glocken völlig anders, natürlich viel leiser, aber auch in anderen Farben. Ob ich beispielsweise ein Weinglas mit einem Stück Holz, einem Stück Metall oder einem anderen Glas zum Klingen bringe, hat grössten Einfluss auf die Klangfarben. Dass nun ausgerechnet am lauten Stadtfest die Kirchenglocken leiser tönen als üblich, bringt die Menschen vielleicht zum Nachdenken über die Bedeutung des Geläuts im Alltag und darüber hinaus.

PR: Mit der Kunst-Installation auf dem biodivers gestalteten alten Friedhof (Church Gardening) soll ein Ort zum Verweilen entstehen – mit Blick auf die Stadt Uster und auf den Kirchturm. Die alten Klöppel, die nun im Gras und bläulichem Kies liegen, erinnern an die Vergänglichkeit – und doch sind sie miteinander verbunden. Die (Ruhe-)Bank in Gold lädt die Menschen zur Begegnung ein und dazu, sich Zeit zu nehmen.

5. Wie war der Weg von der Idee bis zur Umsetzung? Gab es Herausforderungen oder besondere Überraschungen?

PF: Peter Conradin Zumthor durfte das Projekt schon an vielen Orten (u. a. Wien, Luzern, Zürich) realisieren. Seine reiche Erfahrung und die einfache Art, die Klöppel einzupacken, werden hoffentlich auch in Uster keine Probleme bereiten.

PR: Das Gewicht der beiden grossen Klöppel war eine praktische Herausforderung. Dazu war aus Versehen zunächst die mittlere Holzbank goldfarben gestrichen worden. Zum Glück sind die Hölzer nur festgeschraubt und konnten einfach ausgetauscht werden.

6. Wie fügt sich der Anlass in das Gesamtprogramm zum 1250-Jahr-Jubiläum ein? Warum war der 2. September als Startdatum besonders geeignet?

PF: Das gedämpfte Geläut soll auf da Fest und natürlich auch auf unsere «Umleitung» am Samstag neugierig machen. Wie die Flaggen an Häusern und Bussen stimmen auch die Glocken auf das Fest ein.

PR: Es passt gut, das Geläute vor dem grossen bunten Stadtfest leiser werden zu lassen, die Ruhe vor dem grossen Fest. Die alten Klöppel haben in Uster auch über eine lange Zeit hin geläutet, sie waren der Sound der Stadt am Burghügel.

7. Was wünschen Sie sich für den Abend selbst? Wie soll er in Erinnerung bleiben?

PF: Die beiden Peter sind spannende, sympathische Menschen und dazu sehr bescheiden. Die Begegnung mit ihnen wird einem die Kunstwerke auf jeden Fall näher bringen.

PR: Als poetischer Moment, an dem Dinge neu zu sehen und zu hören sind. Und natürlich, dass die Vernissage mit den beiden Künstlern gut besucht wird und im alten Friedhof überraschende Gespräche und Begegnungen stattfinden.
Wir danken Pascale Rondez und Peter Freitag für das Interview.