Blog: In Dur und Moll
«... aber bitte nicht zu traurig.» In Gesprächen mit Hinterbliebenen über die musikalische Gestaltung einer Abdankung wird einem als Kirchenmusiker oft dieser Hinweis mitgegeben. Und dieser Hinweis ist durchaus nachvollziehbar.
Peter Freitag,
Vielleicht hat jemand unangenehme Erfahrungen gemacht bei einer anderen Abdankung. Vielleicht findet jemand, dass traurige Musik so gar nicht zum Verstorbenen passe. Oder vielleicht fürchtet man sich ganz einfach vor der unmittelbaren emotionalen Kraft der Musik, man möchte keinesfalls an der Feier in Tränen ausbrechen. An Gottesdiensten ist die Lage ähnlich: «Orgelmusik ist immer so ernst, so traurig. Das dröhnt so.» Die Erfahrung beim Musikhören im Konzert oder in der Oper scheint da ganz anders: Wie himmlisch und wie traurig ein «Deutsches Requiem» oder eine «Tosca»! Wer liesse sich nicht berühren durch ein schmerzliches Liebeslied? Und wer durfte durch traurige Musik nicht schon Milderung erfahren, sei es im Konzert oder beim Hören einer Aufnahme?
Im Psalm 77 heisst es «Laut will ich schreien zu Gott, laut zu Gott, dass er auf mich höre.» Beim Lob Gottes, beim Jubelgesang über dessen Schöpfung mag ja ein Freudengesang in Dur angemessen sein, aber hat denn heute eine Klage oder eben gar ein Schrei in der Kirchenmusik keinen Platz mehr? Kann nicht eben dieser Schrei näher zu Gott führen? Ist ein «O Haupt voll Blut und Wunden» oder gar die musikalische Darstellung einer ganzen Passion nach Johannes nichts als eine unerträgliche Zumutung? Gehört düstere Musik in die düstere Vergangenheit? Oder ist nicht ein Schrei direkte Anrede Gottes?
Musik in Moll ist mehr als die traurige Abwechslung im zweiten Satz. Musik in Moll ist mehr als nur der traurige Teil vor dem fröhlichen Dur (auch wenn das zum Beispiel in der fünften Sinfonie bei Beethoven höchst eindrücklich ist). Selbstverständlich mag niemand in der Klage stecken bleiben, oder im Liebesschmerz oder in der Trauer oder in der Trostlosigkeit. Gerade wenn man berührt wird von einer traurigen Melodie, wird ein Spüren, ein Fühlen, ein Mitfühlen möglich. So wird auch dieses Jahr in der Passionszeit traurige Musik erklingen und es werden traurige Lieder gesungen mit der Hoffnung und Verheissung auf Ostern, auf den Trost, auf die Fröhlichkeit.
Peter Freitag, Kantor
Im Psalm 77 heisst es «Laut will ich schreien zu Gott, laut zu Gott, dass er auf mich höre.» Beim Lob Gottes, beim Jubelgesang über dessen Schöpfung mag ja ein Freudengesang in Dur angemessen sein, aber hat denn heute eine Klage oder eben gar ein Schrei in der Kirchenmusik keinen Platz mehr? Kann nicht eben dieser Schrei näher zu Gott führen? Ist ein «O Haupt voll Blut und Wunden» oder gar die musikalische Darstellung einer ganzen Passion nach Johannes nichts als eine unerträgliche Zumutung? Gehört düstere Musik in die düstere Vergangenheit? Oder ist nicht ein Schrei direkte Anrede Gottes?
Musik in Moll ist mehr als die traurige Abwechslung im zweiten Satz. Musik in Moll ist mehr als nur der traurige Teil vor dem fröhlichen Dur (auch wenn das zum Beispiel in der fünften Sinfonie bei Beethoven höchst eindrücklich ist). Selbstverständlich mag niemand in der Klage stecken bleiben, oder im Liebesschmerz oder in der Trauer oder in der Trostlosigkeit. Gerade wenn man berührt wird von einer traurigen Melodie, wird ein Spüren, ein Fühlen, ein Mitfühlen möglich. So wird auch dieses Jahr in der Passionszeit traurige Musik erklingen und es werden traurige Lieder gesungen mit der Hoffnung und Verheissung auf Ostern, auf den Trost, auf die Fröhlichkeit.
Peter Freitag, Kantor
