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Silvia Trüssel

Frühlingsgruss aus dem Spital Uster

Fr&uuml;hling  <span class="fotografFotoText">(Foto:&nbsp;Denise&nbsp;Graf)</span><div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>refuster.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>50</div><div class='bid' style='display:none;'>3044</div><div class='usr' style='display:none;'>40</div>
Das Spitalpfarramt ist eng verwoben mit unserer Seelsorgearbeit in der Stadt Uster. Gerne gibt Ihnen Pfrn. Christine Wyttenbach einen Einblick in ihre Arbeit zu Coronazeiten.
Christine Wyttenbach,
Immer wieder spaziert oder fährt man am Spital vorbei, weiss vielleicht einen lieben Menschen in einem der Patientenzimmer oder musste sogar selber in den vergangenen Wochen hospitalisiert werden. Das Spital, ein Ort, in dem viele Menschen ein- und ausgehen, Patient*innen genauso wie Mitarbeitende oder Besucher*innen – ein Ort der Begegnung – normalerweise. Covid-19 hat diese Durchlässigkeit in den vergangenen Wochen und Monaten sehr eingeschränkt. Gerne schicke ich Ihnen, liebe Leserin, lieber Leser, deshalb einen Frühlingsgruss aus dem Spital und gebe Ihnen ein paar Eindrücke und Erfahrungen weiter, die ich in jüngster Vergangenheit machen durfte.

Nun ebbt sie endlich ab, die zweite Welle, die uns seit November durchgeschüttelt hat, die Pflegende und Ärzteteams rund um die Uhr forderte. Und das ist gut und nötig so. Die Zeit seit Februar 2020 war mehr als intensiv im Spital und sehr herausfordernd. Das habe ich auch als Spitalseelsorgerin gespürt.

Während der ersten Welle haben mein katholischer Kollege Arthur Hermsdorf und ich beobachtet, wie Patient*innen dankbar waren, dass jemand die Isolation durchbricht und Zeit mit ihnen verbringt. Ich habe einige der Coronapatient*innen während mehreren Wochen begleitet und ihre Hochs und Tiefs mitgetragen. Aber auch die übrigen Patient*innen waren sehr froh für Gespräche, weil ja gar niemand mehr zu Besuch kommen durfte. Fast alle Patient*innen, die mehr als nur drei Tage im Spital sein mussten, erlebten plötzlich, was es bedeutet, isoliert zu sein und verunsichert durch die Nachrichtenflut von aussen. Gerade ältere Menschen, die nicht einfach auf ein Smartphone oder Laptop zurückgreifen konnten und so mit ihren Lieben wenigstens virtuell verbunden waren, spürten die Einsamkeit stark. Ich denke aber auch an Patient*innen, die mit einer unerwarteten Diagnose konfrontiert und erleichtert waren, mit jemandem am Krankenbett reden zu können.

Der Sommer kam und alles normalisierte sich wieder ein wenig, fühlte sich schon fast «normal» an. Aber dann rollte die zweite Welle an. Man hatte viel Erfahrung von der ersten – und nahm sie die erste Zeit viel gelassener. Aber plötzlich realisierte man die Heftigkeit. Die Coronastation war voll. Viele, viele Menschen lagen in ihren Betten, zum Teil gar nicht ansprechbar oder auch sehr verwirrt. Es brauchte viel Geduld und Zeit, die Menschen zu begleiten. Die Pflegenden kamen an ihre Grenzen. Viele steckten sich an – zu Hause, auf dem Arbeitsweg, bei der Arbeit. Immer wieder mussten Teams neu zusammengesetzt werden. Es gab viele «Tür- und Angel-Gespräche» mit den Pflegenden. Einige hatten Angst um ihre Angehörigen – oder auch einfach um sich selber.

Immer wieder verbrachte ich Zeit auf der Intensivstation. Ich nahm Anteil an den Vielen, die beatmet wurden – und erlebte, wie Viele es nicht schafften. Die IPS-Pfleger*innen waren im Dauereinsatz. Auch wenn sie alles versuchten, starben ihnen die Leute einfach weg. Das liess niemanden kalt. Ich war in dieser Zeit sehr dankbar, dass es im Spital Uster möglich war, von Sterbenden Abschied zu nehmen. Gut geschützt und mit allen nötigen hygienischen Massnahmen. So begleitete ich Sterbende und ihre Angehörigen. Aber ich durfte natürlich auch Patient*innen begleiten, die den Schritt zurück ins Leben wagen durften, ganz langsam und behutsam.

Corona bestimmte Vieles. Aber natürlich nicht alles. Es gab auch andere intensive Begleitungen und Begegnungen, so, wie es im Spitalalltag immer der Fall ist.

Durch die Besuchsstopps oder Besuchsbeschränkungen ist es seit einem Jahr nicht mehr möglich, Gottesdienste im Spital öffentlich zu feiern. Zu verletzlich sind Patient*innen und es macht nicht Sinn, da ein unnötiges Risiko einzugehen. Ich weiss, dass das Viele sehr vermissen – ich kann dazu nur sagen: mir geht es nicht anders! Und ich freue mich sehr auf den Tag, wenn wir wieder als farbige Gemeinschaft im Spital feiern dürfen, Gesunde und Kranke, Junge und Alte. Und ich hoffe natürlich, dass das bald der Fall sein wird.

Bis dahin wünsche ich uns allen viel Zuversicht und Gottvertrauen. Wüstenzeiten zu erleben, heisst auch, neue Erfahrungen machen zu dürfen – und dankbar zu sein für das Viele, das trotz allem möglich ist!

Mit herzlichen Grüssen aus dem Spital

Ihre Christine Wyttenbach, Pfarrerin


Bei weiteren Fragen oder seelsorglichen Anliegen können Sie sich gerne auch an Pfrn. Silvia Trüssel wenden:
044 545 74 20,


Lesen Sie demnächst einen Bericht rund um das Thema Abdankungen in Coronazeiten.