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Matthias Rüsch

zu Wort kommen im Lockdown VI

Weinbergwinter <span class="fotografFotoText">(Foto:&nbsp;Matthias&nbsp;R&uuml;sch)</span><div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>refuster.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>35</div><div class='bid' style='display:none;'>3003</div><div class='usr' style='display:none;'>34</div>
Wie geht es den Selbständigerwerbenden, den Gewerblerinnen und Gewerblern im lockdown?

Wir publizieren an dieser Stelle in den nächsten Wochen einige Interviews mit Frauen und Männern, die mit ihrem Geschäft irgendwie über die Runden kommen müssen.

Was erleben sie? Wie geht es ihnen? Können sie der gegenwärtigen Krisensituation auch etwas Positives abgewinnen?

Heute mit: Regula Wüthrich von Swiss Beauty Stage, Uster
«Etwas hat sich verändert: ich bin gelassener geworden.»

Guten Morgen, Regula, wie geht es dir in diesen Tagen?
Guten Morgen. Mir persönlich geht es sehr gut. Ich bin ruhiger geworden und zuversichtlich.

Wie schaust du in die (nahe) Zukunft?
Ich habe die Auffassung, dass ich mache, was ich machen kann. Mehr kann ich nicht. Ja, ich bin ruhiger, gelassener geworden, seit dem ersten Lockdown. Ich habe auch keine Angst mehr. Wir haben viel weniger Arbeit, doch die Arbeiten welche wir noch haben, sind mehr im höheren Preissegment. Es sind vor allem Haarentfernungen mit unserem neuen Laser. Es macht mich eigentlich stolz, dass wir recht gut über die Runden kommen.

Was machst du aus der gegenwärtigen Situation?
Primär halte ich mich an all die Vorschriften. Zugegebenermassen, die sind in unserem Beruf sehr hoch und streng. Und ich versuche stets im Kontakt und im Dialog mit meinen Kunden zu bleiben. Ich frage nach, wie es ihnen geht.
Im Privaten fällt es mir nicht schwer, mehr daheim zu bleiben, auch wenn ich auswärts nichts unternehmen kann. Jetzt habe ich Zeit für persönliche Projekte, auch zum Tanzen daheim mit meinem Mann. Dass wir dann vorbereitet sind, wenn die Tanzlokale wieder offen haben.

Kannst du der Coronakrise auch etwas Positives abgewinnen?
Ja. Der erste Lockdown war sehr geprägt von der Existenzangst. Ich fühlte mich verantwortlich für alles und alle. Das hat sich verändert, ich bin gelassener geworden. Ich muss nicht für alle die Mutter sein, das erleichtert mich.
Zudem schätze ich jede Kundenbuchung noch viel mehr als vorher. Die Kunden ermöglichen ja unsere Existenz.

Was macht die Erfahrung des letzten Jahres mit dir? Hat sie bei dir eine Veränderung ausgelöst?
Ich bin viel entspannter, relaxter geworden. Das sagt mir auch mein Mann: «Du bist ruhiger geworden.» Das Gefühl, für alle andern Verantwortung tragen zu müssen, ist viel kleiner.
Das heisst aber gar nicht, dass ich die Meinung und all die Massnahmen des Bundesrates teile.

Was erwartest du / wünschst du dir von der Gesellschaft / der Kirche / der Politik?
Ich finde, die Politik, der Bundesrat, auch einzelne Personen sollen endlich aufhören mit der Panikmacherei. Die Krise ist heftig und traurig, das sicher. Aber die Massnahmen oft übertrieben. Durch die fehlenden sozialen Kontakte beginnt sich ja unser persönlicher Umgang miteinander zu verändern. Das wird wohl bleiben, diese Distanziertheit, auch im Privaten. Das macht mich traurig.
Mein sehnlicher Wunsch ist, dass sich die Herzen wieder öffnen. Das wäre vielleicht auch gerade für die Kirche eine Aufgabe: die alten Menschen wieder aus der Isolation zu führen.
Und was die Politik noch betrifft: Wie soll ein Volk sich einig sein, wenn es die Politik nicht ist?

An was oder wo findest du zur Zeit Freude?
Mein Mann und ich haben ein bevorstehendes Umbauprojekt; ich kann es kaum erwarten. Ich bin überaus erfreut, dass Corona weder mich privat noch im Geschäft erwischt hat. Weiter freue ich mich über jedes eigene, gebackene Sauerteigbrot. Und dann natürlich die Freude, ins Geschäft zu kommen und alles läuft. Carina, meine Mitarbeiterin, macht mir sehr viel Freude.

Danke, Regula, fürs Interview. Ich wünsche dir weiterhin eine grosse Portion Gelassenheit.

Dokumente

Was ist Ihre Erfahrung?

Wir freuen uns auf den ersten Beitrag.