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Silvia Trüssel

Wenn der Advent dunkel bleibt

2019-22 Editorial 1<div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>refuster.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>50</div><div class='bid' style='display:none;'>2145</div><div class='usr' style='display:none;'>40</div>
Editorial | Es gibt eine wunderbare Geschichte. Sie erzählt davon, wie zwei Nachbarn sich gegenseitig mit Adventsspektakel übertrumpfen. Es beginnt mit einzelnen Lichtern, steigert sich bis zu überbordenden Licht-, Bild- und Toninstallationen … und endet in der absoluten Dunkelheit nach dem dadurch herbeigeführten Stromkollaps.
Silvia Trüssel,
Es ist eine meiner liebsten Adventsgeschichte, weil sie so erfrischend direkt ist. Das kleine, hoffnungsvolle Adventslicht, das den Weg nach Weihnachten liebevoll beleuchten soll, hat oftmals nur wenig mit dem grellen Licht der zahlreichen Lichtinstallationen an Häusern und in Gärten zu tun. Man könnte denken, dass die Menschen die Dunkelheit nicht mehr aushalten.

Und doch gehört die Dunkelheit zum Leben dazu, bedrückend und ehrlich zugleich. Oft fallen dunkle Schatten auf ein Leben. Manche können nicht mehr an ein gutes Morgen glauben, weil ihnen die Kraft fehlt, vom Morgen etwas zu erhoffen. Einige leben mit dem ewigen Kampf ihres Daseins und finden nicht immer Verständnis und Beistand, der ihnen ein Lichtblick sein könnte.

Auch heute müssen Menschen ihren ganz eigenen dunklen Advent erleben. Manches ist gerade in dieser Zeit besonders leidvoll und bedrückend. Dunkel ist es manchmal in uns, dunkel um uns herum. Doch mit der Dunkelheit, mit der Angst in der Dunkelheit, müssen wir uns nicht abfinden. Wir dürfen Vertrauen wagen in das Licht der Liebe Gottes – manchmal auch gegen allen Augenschein und gegen alle Vernunft. Ja, wir können uns auf das Kommen des «Lichts der Welt» freuen – auf die Ankunft Gottes in dieser Welt. Sie ist mitten in der Nacht wie eine lebendige, erfrischende, tröstende, stärkende und lichtspendende Quelle.

So wünsche ich Ihnen vertrauensvolle Adventstage.

Silvia Trüssel
Pfarrerin

Auch wer zur Nacht geweinet,
der stimme froh mit ein.
Der Morgenstern bescheinet
auch deine Angst und Pein.
Jochen Klepper