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Silvia Trüssel

Unbegreifliches Auferstehen

DS1_1218<div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>refuster.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>50</div><div class='bid' style='display:none;'>1406</div><div class='usr' style='display:none;'>40</div>
Editorial | Kürzlich wurden wir zu Beginn einer Sitzung nach unseren Kindheitserinnerungen gefragt. Karfreitag, Ostern … was kommt euch in den Sinn? Dornenkrone oder Nägel? Der krähende Hahn? Der rote Mantel? Die Hände in Unschuld gewaschen?
Silvia Trüssel,
Fast alle wussten etwas zu erzählen: Aus der Sonntagsschule, von einem Bild aus einem Buch, von den monumentalen Filmklassikern. Ich blieb stumm. Ostern? Da versteckte doch unser Grossvater den Schokoladenhasen meines Bruders im Milchkasten … bis der Hase Stunden später gefunden wurde, war er bereits geschmolzen.

Karfreitag und Ostern blieben für mich sehr lange eigenartige Feiertage. Was da passierte, konnte ich nicht begreifen. Später rieb ich mich daran, ob das überhaupt möglich sei. Auferstehung der Toten – bitte! Es blieb mir unerklärlich und fremd.

Unterdessen sind sie mir die wichtigsten und liebsten Feiertage geworden. Nicht, weil ich das Geschehen wirklich begreifen kann. Auch nicht, weil ich das wortwörtliche Ereignis als unabdingbar verstehe. Sondern weil ich es als notwendige Möglichkeit sehe – als die Wahrheit, wie es die Menschen damals erlebten. Mit Ostern bekam das Hoffen der ersten Christen ein sicheres Fundament und viel Grund zur Freude.

Dies ermöglicht es mir, das unglaubliche Geschehen auch immer wieder zu erleben: Das Licht des frühen Ostermorgens, dann, wenn ich mich im Dunkeln gefangen fühle. Die Auferstehung aus dem, was belastet und bedrückt – ein Auferstehen zurück ins pralle, bunte Leben.

Dieses Wunder zeigt uns auch die Natur: Das Aufwachen aus dem vermeintlichen Nichts. Kahles Braun und Grau dominieren den Winter über. An den ersten wärmeren Tagen dann noch zaghaft die ersten Frühlingsboten: Krokusse und Schneeglöckchen kündigen das grosse Auferstehen an. Und schliesslich bricht der Frühling durch, Farben und Düfte scheinen regelrecht zu explodieren. Ein eindrücklicheres Hoffnungszeichen kann ich mir nicht vorstellen.

Karfreitag und Ostern gehören damit unweigerlich zusammen: Vom Dunkel ins Licht, von der Schwere in die Leichtigkeit, von der Verlassenheit in die Liebe, von der Schuld in die Versöhnung – dann, wenn uns der schwere Stein vom Herzen, von der Seele gerollt wird, die Hoffnung aufblüht und die Zuversicht neu genährt wird.

Silvia Trüssel
Pfarrerin