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DTSTART:20201101T160000Z
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LOCATION:Reformierte Kirche Uster\, Zentralstrasse\, 8610 Uster
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DTSTAMP:20210525T090236Z
DESCRIPTION:Das Konzert findet mit sämtlichen aktuellen Auflagen statt\,
  inklusive der Besucherbegrenzung auf fünfzig Personen.\n\nOrgelrezital 
 \n\nPeter Freitag\, Orgel\n\nAlfred Zimmerlin:\nOrgelbuch (2013)\n1. Gruss
 \n2. Choralfantasie I «All Morgen ist ganz frisch und neu»\n3. Reflex
 \n4. Ruf\n5. Choralfantasie II «O Heil'ger Geist\, kehr bei uns ein»\n6.
  Freude\n«Du lehrst mich kennen / den Pfad des Lebens\, / Sättigung mit
  Freuden / ist vor\ndeinem Antlitz\, / Mildheit in deiner Rechten /
  immerdar.»\nPsalm 16\, 11 (Verdeutscht von Martin Buber)\n7. Braus
 \n«Braus Gottes schwingend über dem Antlitz der Wasser».\n«Er blies in
  seine Nasenlöcher Hauch des Lebens\, und der Mensch wurde zum\nlebenden
  Wesen.»\n1. Mose\, 2\, 7 (Verdeutscht von Martin Buber gemeinsam mit
  Franz Rosenzweig)\n9. Abschied (Choralfantasie III «Bevor die Sonne
  sinkt»)\n\nDer Ustermer Komponist Alfred Zimmerlin schrieb:\nDer
  neunteilige\, im Jahr 2013 komponierte Zyklus «Orgelbuch» setzt sich
  mit der Tradition des sogenannten «strengen Satzes» und des reinen\,
  strukturierten Klangs in der geistlichen Musik vom Spätmittelalter bis
  zur Gegenwart auseinander. Das Interessante an der Geschichte der
  geistlichen Musik ist\, dass die Komponisten sich vor der Aufklärung
  kaum um die Vermittlung von Textinhalten kümmern mussten\, da diese klar
  und nicht musikalisch erklärungsbedürftig waren. Die Klänge und
  Strukturen ihrer Musik waren gerade deshalb stark und experimentell: Die
  Komponisten wollten der Kirche das Mutigste und Beste geben\, was sie zu
  geben hatten. Ihre Musik bewegte die Hörenden im Geist und im Körper\,
  doch stand sie für sich\, denn sie hatte (noch) nicht die Aufgabe eines
  Transportmittels von Inhalt zu erfüllen\, wie das später – vor allem
  im 19. Jahrhundert – der Fall war.\n\nGerade die Auseinandersetzung mit
  der experimentierfreudigen Haltung der Komponisten vom Spätmittelalter
  bis zum Barock empfand ich während der Arbeit am «Orgelbuch» als
  äusserst erfrischend und belebend für mein eigenes musikalisches
  Denken\, und ich bedanke mich dafür postum unter anderem bei Guillaume
  de Machaut\, Guillaume Dufay\, Josquin Desprez\, Girolamo Frescobaldi und
  Dietrich Buxtehude. Es gibt in den drei Choralfantasien des
  «Orgelbuchs» zwar durchaus Momente\, wo aus dem Choraltext-Inhalt eine
  musikalische Idee gewonnen wurde (siehe unten). Diese Idee indes wurde in
  eine rein musikalische Struktur übergeführt. Alle neun Stücke des
  «Orgelbuchs» sind ganz vom Gedanken her komponiert\, die Zuhörenden zu
  einem innerlich offenen Hören einzuladen\, sie auf eine durchaus
  emotionale Reise des beziehungsreichen Hörens von Klang mitzunehmen. Und
  auf dieser Reise auch den «Geist» zu erleben\, den Atem\, Hauch\,
  Braus\, der im reinen Hören Gegenwart wird – und der im Christentum
  der «Heilige Geist» genannt wird. Das «Orgelbuch» ist gleichzeitig
  eine Art abstrakter Orgelsinfonie und eine Art Pfingstgottesdienst in
  reinen Klängen. Es ist dem Organisten der Uraufführung\, Peter
  Freitag\, gewidmet.\n\nZu den einzelnen Sätzen:\n\n1. Gruss\nEin
  dreistimmiger Proportionskanon im Abstand der grossen Terz. Singen\,
  Dasein in Klängen – und ein Begrüssungsruf.\n\n2. Choralfantasie I
  «All Morgen ist ganz frisch und neu»\nAll Morgen ist ganz frisch und
  neu / des Herren Gnad und grosse Treu; / sie hat kein End den langen
  Tag\, / drauf jeder sich verlassen mag.\nDrum steht der Himmel Lichter
  voll\, / dass man zum Leben sehen soll\, / und es mög schön geordnet
  sein / zu Ehren Gott\, dem Schöpfer dein.\nSo hat der Leib der Augen
  Licht\, / dass er dadurch viel Guts ausricht / und seh auf Gott zu aller
  Frist / und merk\, wie er so gnädig ist.\nO Gott\, du schöner
  Morgenstern\, / gib uns\, was wir von dir begehrn: / Zünd deine Lichter
  in uns an\, / lass uns an Gnad kein' Mangel han.\nRG 557\, 1-4\n\nDie
  Choralmelodie der ersten Strophe entsteht am Anfang in einem gut
  viereinhalb Minuten dauernden Prozess durch eine fortwährende
  Metamorphose aus den amorphen Klangelementen des Anfangs; ein Werden. In
  der zweiten Strophe erklingt sie in zwei verschiedenen Geschwindigkeiten
  gleichzeitig und doch eng aneinander gebunden: verlangsamt im Pedal und
  auf den Manualen mit besonderen Farben harmonisiert\, beschleunigt in der
  extremen Höhe\, immer wieder beim Choralton des Basses neu ansetzend.
  Die dritte Strophe singt den Choral auf alle Lagen verteilt\, die vierte
  einerseits mächtig brausend mit komplexer Harmonik\, aber auch
  verinnerlicht in einfachster Einstimmigkeit.\n\n3. Reflex\nVerspiegelte
  Erinnerung an den gregorianischen Hymnus «Veni creator spiritus» und an
  den cantus firmus-Satz; ein Nachdenken in Klängen.\n\n4. Ruf\nDas
  liturgische Rufen hat im Gottesdienst Tradition: Kyrieleis\, Gotterbarm\,
  de profundis clamavi\, Alleluja...\n\nEin Rufen nach innen und nach
  aussen\, Zeichen und Signale in unterschiedlichen musikalischen
  Verhaltensweisen.\n\n5. Choralfantasie II «O Heil'ger Geist\, kehr bei
  uns ein»\nO Heil'ger Geist\, kehr bei uns ein / und lass uns deine
  Wohnung sein\, / o komm\, du Herzenssonne. / Du Himmelslicht\, lass
  deinen Schein / bei uns und in uns kräftig sein / zu steter Freud und
  Wonne. / Sonne\, Wonne\, / himmlisch Leben willst du geben\, wenn wir
  beten; / zu dir kommen wir getreten.\nSteh uns stets bei mit deinem Rat /
  und für uns selbst auf rechtem Pfad\, / die wir den Weg nicht wissen. /
  Gib uns Beständigkeit\, dass wir / getreu dir bleiben für und für\, /
  auch wenn wir leiden müssen. / Schaue\, baue\, / was zerrissen und
  beflissen\, dich zu schauen / und auf deinen Trost zu bauen.\nDu süsser
  Himmelstau\, lass dich / in unsre Herzen kräftiglich / und schenk uns
  deine Liebe\, / dass unser Sinn verbunden sei / den Nächsten stets mit
  Liebestreu / und sich darinnen übe. / Kein Neid\, kein Streit / dich
  betrübe; Fried und Liebe wirst du geben\, / Fried und Freude uns zum
  Leben.\nRG 504\, 1\, 3\, 5\n\nAm Anfang stand die Entdeckung\, dass zu
  der mir seit der Kindheit wohlvertrauten Choralmelodie «Wie schön
  leuchtet der Morgenstern» (RG 653) auch ein Pfingst-Text existiert\,
  nämlich im Lied 504 des reformierten Gesangbuchs. Die Form des Stücks
  ist an sich einfach: Ein «Brausen» und der Choral wechseln sich ab.
  Nach einer längeren Einleitung erklingt die erste Strophe im Bass\, aber
  stark verlangsamt: Der Sänger\, die Sängerin stammelt\, sucht nach
  Worten\, singt gleichsam «in Zungen» wie die Jünger an Pfingsten. Die
  folgende Strophe führt uns nach einem Zwischenspiel musikalisch
  strukturell auf die Suche nach dem «rechten Pfad»: Wie in einem
  Labyrinth bewegt sich die Choralmelodie über die drei Manuale und das
  Pedal der Orgel\, sie ist verborgen in einer Vielfalt von Ereignissen und
  doch hörbar da – das kann nur von einem sehr virtuosen Organisten
  bewältigt werden! Nach einem weiteren\, kürzeren Zwischenspiel ist die
  Choralmelodie der letzten Strophe sehr deutlich hörbar\, und sie wird
  mit neuen Harmonien beleuchtet: Jeder Choralton hat gleichsam einen
  elektronischen Klang-Lichtschweif hinter sich. Und der Choral wird mehr
  und mehr ins Innere des Menschen geführt\, wo er sich verliert.\n\n6.
  Freude\nGloria\nAlleluja...\n«Du lehrst mich kennen / den Pfad des
  Lebens\, / Sättigung mit Freuden / ist vor deinem Antlitz\, / Mildheit
  in deiner Rechten / immerdar.»\nPsalm 16\, 11 (Verdeutscht von Martin
  Buber)\n\nEin dreiteiliges\, melodisch singendes Stück. Der Gesang des
  Instruments ist zunächst eher atemlos und drängend\, dann vereinfacht\,
  einstimmig und in sich ruhend\, schliesslich lichtvoll und ruhig atmend.
  Doch immer gibt es auch kleine Störungen: Wie wichtig sind Störungen in
  der Musik; sie halten den Geist wach\, öffnen neue Wahrnehmungsräume.
  Dann erst kommt Freude auf.\n\n7. Braus\nGleich am Anfang der
  Bibelübersetzung von Martin Buber und Franz Rosenzweig\, bei der
  Schöpfungsgeschichte\, ist ein kräftiges Bild für den Heiligen Geist
  zu lesen: «Braus Gottes schwingend über dem Antlitz der Wasser». Im
  Orgelstück «Braus» wird dieses Brausen Klang mit einem komplexen
  harmonischen Rauschen\, das von Prozeduren der elektronischen Musik
  abgeleitet ist. Statische\, kräftige\, fast wie Klangskulpturen in den
  Raum gesetzte Klangblöcke werden schnell bewegten\, leiseren Passagen
  gegenübergestellt: Das Brausen\, stark bewegtes Wasser\, eine Ton-Achse
  als Horizont. Ordnungen entstehen.\n\n8. Hauch\nKlang\, nichts anderes\,
  in strenger Ordnung. Ein radikaler Ausdrucksraum.\n\n9. Abschied
  (Choralfantasie III «Bevor die Sonne sinkt»)\nBevor die Sonne sinkt\, /
  will ich den Tag bedenken. / Die Zeit\, sie eilt dahin\, / wir halten
  nichts in Händen.\nBevor die Sonne sinkt\, / will ich das Sorgen lassen.
  / Mein Gott\, bei dir bin ich / zu keiner Stund vergessen.\nBevor die
  Sonne sinkt\, / will ich dir herzlich danken. / Die Zeit\, die du mir
  lässt\, / will ich dir Lieder singen.\nBevor die Sonne sinkt\, / will
  ich dich herzlich bitten: / Nimm du den Tag zurück / in deine guten
  Hände.\nRG 606\n\nEine asymmetrische Bogenform. Zu Beginn wird die aus
  dem 20. Jahrhundert stammende Choralmelodie vorgestellt\, und sie löst
  einen von ihr abgeleiteten Prozess der Verdichtung und Beschleunigung
  aus\, auf dessen Höhepunkt die erste Zeile der ersten Choralstrophe
  erklingt. Die vier Strophen erklingen nun hintereinander in den
  Zungenregistern in einem Prozess des Verlangsamens und in die Tiefe
  Sinkens: Es ist\, wie wenn der Motor eines alten Tonbandgeräts sehr
  langsam gedrosselt würde. Eine kontrapunktische Gegenstimme kreuzt indes
  den Choral und endet in den hohen Registern.\nA.Z.\n\n\nKontakt:
  peter.freitag@refuster.ch\n\nWeitere Infos:
  https://www.refuster.ch/veranstaltung/8747
SUMMARY:Konzert zum Reformationssonntag
PRIORITY:5
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